Paul Maar

Paul Maar wurde am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Kunstakademie in Stuttgart Malerei und Kunstgeschichte, danach war er sechs Jahre als Kunsterzieher tätig. Heute lebt er als freier Autor und Illustrator in Bamberg. Er ist verheiratet und hat drei inzwischen erwachsene Kinder.


Paul Maar schreibt Kinder- und Jugendbücher und übersetzt, zusammen mit seiner Frau Nele Maar, Kinderbücher aus dem Englischen. Er schreibt auch Kindertheaterstücke und verfasst Drehbücher für Kindersendungen des Fernsehens. Außerdem reist er im Auftrag des Goethe-Instituts in Sachen Kinderliteratur um die Welt. Seine Bücher wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (siehe Anlage) und in viele Sprachen übersetzt, u.a. ins Amerikanische, Chinesische, Dänische, Französische, Finnische, Griechische, Italienische, Japanische, Lettische, Niederländische, Norwegische, Polnische, Russische, Spanische und Ukrainische. Als Theaterautor ist Paul Maar nicht weniger erfolgreich. Nach einer Aufführungsstatistik von Die Deutsche Bühne ist er in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon seit mehreren Spielzeiten der »meistgespielte lebende deutsche« Theaterautor.


Paul Maar entwirft die Figuren seiner Geschichten meist selbst, illustriert aber auch fremde Texte. Seine bekanntesten (eigenen) Figuren sind zweifellos das Sams, ein hintergründig-freches Fabelwesen, der Träumer Lippel und das kleine Känguruh. Außerdem entwirft der Autor Bildergeschichten für Zeitschriften.
»Als Kind«, sagt Paul Maar, »konnte ich nie begreifen, wie die Erwachsenen es aushalten, ihr ganzes Leben lang ein und denselben Beruf auszuüben. Ich stellte es mir entsetzlich langweilig vor, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr das gleiche zu tun, und nahm mir vor, mindestens alle sieben Jahre den Beruf zu wechseln, wenn ich erst mal erwachsen wäre.


Zunächst schien es so, als würde ich meinen kindlichen Lebensplan tatsächlich einhalten. Ich begann als Bühnenbildner, wurde dann Kunsterzieher und unterrichtete an einem Gymnasium. Noch als Lehrer fing ich an zu schreiben (zunächst Hörspiele und Funkerzählungen für Erwachsene), kündigte dann, gab meine Stelle an einen arbeitslosen Lehrer weiter und war nun freier Autor. Wäre alles folgerichtig weitergegangen, hätte ich schon längst den Schriftstellerberuf an den Nagel hängen und etwas Neues beginnen müssen. Aber ich arbeite nun schon fast dreißig Jahre als Autor und stelle fest: Es langweilt mich immer noch nicht. Ich hatte als Kind zwei Dinge übersehen. Besser gesagt, ich hatte sie noch nicht wissen können:
1. Wenn man erst mal den r i c h t i g e n , den idealen Beruf gefunden hat, bleibt man auch gerne dabei. 2. Ich kann innerhalb meines Berufes herrlich abwechseln, wenn ich nur all seine Möglichkeiten ausschöpfe.
Hätte ich den Auftrag, hintereinander drei Kinderbücher für dieselbe Altersgruppe zu schreiben, würde ich mich tatsächlich dabei langweilen. Aber so ist es ja nicht. Eines ergibt sich ganz organisch aus dem anderen: Ich schreibe ein erzählendes Buch für die Acht- bis Zehnjährigen. Das Fernsehen interessiert sich dafür und möchte es verfilmen. Also schreibe ich ein Drehbuch. Dabei stelle ich fest, dass es Spaß macht, einmal alles Beschreibende weglassen zu können und sich ganz auf den Dialog zu konzentrieren. Also schreibe ich als nächstes nur Dialoge, nämlich ein Theaterstück für Kinder.


Dann sitze ich wochenlang im abgedunkelten Theaterraum, schau den Schauspielern zu, von der ersten Probe bis zur Premiere, und denke, daß es Spaß machen müßte, auf der Bühne zu stehen und für Kinder zu spielen. Also schreibe ich - zusammen mit KNISTER - ein Zweipersonenstück, in dem ich eine der beiden Rollen spiele (und mit dem wir ein gutes halbes Jahr durch die Bundesrepublik tingeln). Das Bühnenbild für das Stück entwerfe ich natürlich selbst. Dabei bekomme ich unbändige Lust, mal wieder zu malen. Also male ich als nächstes Bilder für ein Bilderbuch. Während der wochenlangen Arbeit an den farbigen Blättern überlege ich, daß es eigentlich an der Zeit wäre, selbst einmal wieder eine Geschichte zu schreiben. Beim Malen kann man gut nachdenken, das nütze ich aus.
Kaum sind die Bilder fürs Bilderbuch abgeliefert, schreibe ich einen Kinderroman für die Zehn- bis Zwölfjährigen und sammle - parallel dazu - Material für ein Jugendsachbuch.
Inzwischen hat man mein Theaterstück ins Englische übersetzt. Zusammen mit meiner Frau schaue ich mir eine Aufführung in den Vereinigten Staaten an. Bei dieser Gelegenheit entdecken wir ein neuerschienenes amerikanisches Kinderbuch, das uns beiden ausnehmend gut gefällt. Wir kaufen es und machen uns, kaum sind wir zurück, gemeinsam an die Übersetzung ...


Wenn ich das so betrachte: Es sieht nicht so aus, als würde ich in absehbarer Zeit den Beruf wechseln müssen!«
Und das ist gut so, denn: Wie kaum einem Autor gelingt es Paul Maar, seine Leser »anzusprechen, zu fesseln und zu begeistern« (DIE ZEIT). Weil er nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Lachen verlockt, nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Mitmachen. Und weil er Phantasie und Wirklichkeit zusammendenken kann.

Quelle: Oetinger Verlag